Swakopmund von oben
Swakopmund von oben: Die drittgrößte Stadt Namibias ist ein beliebter Ferienort.

Namibia ist seit 1990  ein unabhängiges, demokratisches Land mit einer schwarzen Regierung. Doch obwohl Namibia auf Grund seiner Bodenschätze (Uran, Kupfer, Diamanten u.a.) zu den reicheren Ländern Afrikas zählt, ist die Wirtschaft durch eine hohe Arbeitslosigkeit sowie ein sehr niedriges durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen gekennzeichnet. Namibia weist im weltweiten Vergleich die größten Unterschiede in der Einkommensverteilung auf.

Besonders betroffen ist – trotz der schwarzen Regierung – die schwarze Bevölkerung. Durch die hohe Arbeitslosigkeit leben viele Familien von der Einheitsrente eines Familienmitglieds, die derzeit 1300 Namibia-Dollar (NAD) pro Monat beträgt (entspricht etwa 90 Euro, Stand Januar 2018). Von diesem Geld müssen durchschnittlich vier bis fünf Menschen überleben. Hauptnahrung ist der tägliche Maisbrei (Milliepapp), gekocht aus Maismehl, Zucker, Wasser und ein bisschen Öl, in den meisten Fällen gibt es nur eine Mahlzeit am Tag, manchmal auch weniger. Nach Angaben des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UN) müssen über 55 Prozent der Bevölkerung Namibias von rund 2 US-Dollar pro Tag leben…. Viele Kinder hungern am Wochenende und bekommen nur im Kindergarten regelmäßig Essen.

2016 sieht es folgendermaßen aus:

  • die Renten wurden seit 1999 von 250 – 360 – 470 – 600 – 1000 auf 1300,-NAD im Jahre 2018 erhöht
  • die Preise für Grundnahrungsmittel haben sich in den letzten sieben Jahren dramatisch erhöht: Ein Liter Milch kostet jetzt 19,50NAD, 2,5kg Maismehl 34,50NAD, 2kg Zucker 28,99NAD, eine Flasche Öl 18,90NAD – es reicht trotz Rentenerhöhung nicht, die Armut nimmt zu. Man weiss schon heute, dass die Vision 2030 der UN von Namibia nicht zu schaffen ist
  • der drastische  Währungsabfall des südafrikanischen Rand, der paritätisch mit dem Namibia-Dollar ist, unterstützt noch die Zunahme der Armut, nur wer in US-Dollar oder Euro handelt, hat es gut
DRC-Swakop
D.R.C. (democratic resettlement community) , eines der größten Slums vor den Toren Swakopmunds, beherbergt rund 5.000 Menschen. (Stand 2006) 2018 leben in diesem Areal geschätzte 27.000 Menschen

Englisch, Afrikaans und Deutsch waren bis zur Unabhängigkeit des Landes  die offiziellen Amtssprachen. Um endgültig mit der Apartheid und Fremdherrschaft abzuschließen, aber vor allem um keine der bestehenden Bevölkerungsgruppen zu bevorteilen und dadurch die Integrität des Landes zu gefährden, wurde die “neutrale” Sprache Englisch zur alleinigen Amtssprache erhoben. Der Großteil der Bevölkerung spricht als Zweitsprache Afrikaans, wobei die Stammessprache Oshivambo von der Hälfte der Bevölkerung als Muttersprache angegeben wird, denn 60 Prozent der Gesamtbevölkerung sind Ovambos und leben im Norden Namibias.

Deutsch ist die Muttersprache von 32 Prozent der weißen Bevölkerung und Zweitsprache eines Großteils der restlichen weißen Einwohner sowie eines Teils der schwarzen Bevölkerung. Um die vormals nur wenig verbreitete neue Amtssprache stärker durchzusetzen, muss jedes Kind nun neben seiner Stammessprache auch Englisch lernen. Denn unterrichtet wird an den Schulen in Englisch, Afrikaans kann als Zweitsprache gewählt werden. Ein Großteil der schwarzen Bevölkerung im Eltern- und Großelternalter kann weder lesen noch schreiben und beherrscht ausschließlich die jeweilige Stammessprache.

Kiga-Olutenda
In Namibia gibt es keine staatlichen Kindergärten mehr.

Zeitgleich mit der Unabhängigkeit und der Einführung von Englisch als Amtssprache wurden die staatlichen Kindergärten abgeschafft. Die weißen Bewohner Namibias verfügen über ausreichend finanzielle Mittel, um ihre Kinder in private Kindergärten zu schicken. Da es offiziell keine Apartheid mehr gibt, stehen diese Kindergärten rein theoretisch auch schwarzen Kindern offen. Doch diese Kindergärten kosten monatlich im Durchschnitt mehr als eine Einheitsrente, so dass ein Kindergartenbesuch außerhalb der finanziellen Möglichkeiten der meisten schwarzen Familien liegt.

Daraus ergeben sich weitere Schwierigkeiten für Vorschule und Schulbesuch: Kinder, die nicht in den Kindergarten oder nicht in die Vorschule gehen, haben keine Möglichkeit, Englisch zu lernen. Sie wachsen nur in ihrer Stammessprache auf. Damit werden sie vom Bildungssystem ausgeschlossen. Statt zur Schule zu gehen, werden die Kinder arbeiten geschickt, um zum Familienunterhalt beizutragen. Obwohl Schulpflicht besteht, sank die Zahl der realen Schulgänger von 72 auf 63 Prozent.